Mein neuer Begleiter….

Seit ich wegen meiner Rücken- und Nackenprobleme – zumindest derzeit (die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt) – nicht mehr laufen kann, suche ich nach Ausweich-Sportmöglichkeiten. Fahrrad fahren war bislang in der neuen Heimat nicht so ganz einfach, weil es hier doch hügeliger ist, als man es sich so vorstellt. Nordic Walking ist zwar okay, aber auch nicht mehr – es wird nie zur geliebten Sportart für mich werden.

Irgendwann vor ein paar Wochen gab es dann mal Gelegenheit ein sogenanntes Pedelec Probe zu fahren. Wir hatten die gleichen Vorurteile wie viele andere auch "das ist doch kein Fahrrad fahren mehr", aber auf dieser Probefahrt wurden wir eines Besseren belehrt: das ist sehr wohl Fahrrad fahren, es schont nur Knie und Gelenke und macht einen am Berg nicht ganz so kaputt. Man entscheidet ja schließlich selbst, ob und wenn ja, wie viel man unterstützt werden möchte und ohne Treten geht auch bei einem Pedelec nichts.

Die Entscheidung für dieses Sportgerät fiel daher bei uns beiden sehr schnell und wir haben es noch keinen Tag bereut. Ganz im Gegenteil: nun überlegt man nicht mehr, ob man lieber das Auto nimmt als das Fahrrad, weil man keinen Berg hinaufstrampeln will – jetzt nimmt man locker das Fahrrad und jeder lässt sich so viel oder wenig unterstützen wie er es gerade braucht.

Ich bin in einem Monat nun schon über 650 km mit meinem neuen Begleiter gefahren – das sagt wohl alles.

Fahrrad1

Fahrrad2

Und so ein neuer Begleiter tut nicht nur der Gesundheit gut, er bringt einem auch Tritt für Tritt die neue Heimat näher: so ziemlich jeder dieser gut 650 km hat mir gezeigt, dass ich hier in eine sehr schöne und abwechslungsreiche Landschaft gezogen bin. Es gefällt mir hier besser als im platten Dithmarschen, zumal es auch viel Wald und Hügel gibt, aber auch Wasser in Form der Elbe schnell zu erreichen ist. Und sogar die City der geliebten Großstadt lässt sich mit knapp 40 km Treten erreichen.

Letzte Woche wollte ich austesten, ob ich auch den Wohnort des Ältesten, Bergedorf, gut mit dem Fahrrad erreichen kann, denn dafür muss man über die Elbe setzen. Ich nehme euch mal virtuell mit auf die Tour, die ich landschaftlich wunderschön fand.

Größtenteils fährt man für diese Strecke den Ring 3/Untere Seeve des Seeve-Radwegs.

Seeve6

Nach einer, vor allem bei der derzeitigen Wärme, schönen Strecke durch den Wald kommt man zur Horster Mühle, landschaftlich schön gelegen, sehr geschichtsträchtig, aber auch für Speis und Trank wird bestens gesorgt.

Horster Mühle

Dann geht die Tour weiter zu Europas größtem Güter- und Rangierbahnhof, der die Fläche von 380 Fußballfeldern einnimmt, pro Jahr werden dort rund eine Million Waggons abgefertigt. 

Güterbahnhof Maschen

Güterbahnhof Maschen 2

Nach diesem wirklich sehr beeindruckenden Bauwerk nun aber wieder weiter in die Natur. Der nächste Halt ist der Badesee im Maschener Moor, von dessen Existenz ich auch erst durch diesen Ausflug erfahren habe – mit dem Auto hätte ich ihn nicht zu sehen bekommen.

Maschener See

Bald darauf führt mich der Radweg an die Seeve.

Seeve 1

Wunderschönes Radfahren immer am Fluss entlang.

Seeve2

Seeve3

Seeve4

Nach etlichen Kilometern dieser 'Flussfahrt' komme ich am Seeve-Siel an und kann nochmals einen Blick zurück auf den Fluss werfen, denn nun mündet die Seeve in der Elbe und mein Weg wird mich an der Elbe längs führen.

Seeve mündet in Elbe

Elbe

Ein erster Blick auf die Elbe – so fröhnt man hier dem Sonntag. 🙂

Elbe1

Reetgedeckte Bauernhöfe in Vielzahl am Weg längs.

Elbe2

Deichrunner trifft 'Deichblume'! 🙂

Elbe3

Hier dreht sich entweder alles um die Erdbeere….

Elbe4

oder um den Fisch!

Elbe5

Elbe6

So ein großes Fischlokal habe ich noch selten gesehen.

Elbe7

Elbefähre Zollenspieker – Hoopte - die hat mich jeweils von der einen zur anderen Elbseite gebracht.

Auf der anderen Seite angekommen geht es dann weiter Richtung Bergedorf. Der ehemalige Bahndamm der Vierländer Eisenbahn ist perfekt asphaltiert und führt zwischen schmalen Feldern, Gewächshäusern und riedbestandenen Abflussgräben entlang. Highlights der Strecke: Die Brücken über die Dove Elbe und die Gose Elbe und die hübschen Bahnhofsgebäude im ländlichen Baustil.

Elbe8

Elbe9

Hier habe ich nicht mehr so viel fotographiert, denn der Himmel zog sich bedrohlich schwarz zu und ich musste erst mal sehen, dass ich 'Kilometer mache'. Auf der gleichen Strecke bin ich von Bergedorf nach einer kurzen Verschnaufpause direkt wieder zum Zollenspieker zurückgefahren: dieser Fähranleger war schon immer – und wird es wohl auch bleiben –  der Sonntagstreff von Bikern, Fahrradfahrern, aber auch Autoausflüglern.

Elbe10

 

 

18 Gedanken zu „Mein neuer Begleiter….

  1. Sabine

    Danke für’s Mitnehmen! Nachdem unsere Fahrräder aus dem verschlossenen Keller geklaut wurden, sind wir gerade auf der Suche nach neuen. Der Gatte hat schon eines, ich werde hoffentlich bald fündig. Und dann sollten wir dringend die Zeit vor dem Winter für ein paar Touren nutzen. Dir viel Spaß mit Deinem neuen Begleiter! Intuitiv erwartete ich bei dem Titel übrigens einen Hund ;o)

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  2. Deichrunner's Küche

    Das mit dem Klauen von Fahrrädern ist schon das Letzte. Auch ich traue mich kaum mein Neues (bestens gesichert) mal eine Zeitlang alleine zu lassen….das ist wirklich nervig!
    Ja, in HH gibt es auch wunderbare Touren – ich habe mich schon kundig gemacht und bin auch schon 2mal mit dem Rad nach HH gefahren, um zu testen, wie es sich da so im ‚dicken‘ Verkehr von Fußgängern, Radlern und Autos so fährt; aber es ging problemlos.
    Und auch die Mitnahme des Rads per Metronom hat schon bestens geklappt.
    Hund….ja, das hatten wir ja schon mal und mussten uns leider von unserem Leo trennen, weil wir ihm zeitlich nicht gerecht werden konnten, so viel wie wir inzwischen beruflich außer Haus sind. 🙁

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  3. Dinkelhexe Renate

    Eine wunderschöne Gegend. Vielen Dank fürs Mitnehmen. Ja, in gesunden Tagen denkt man ganz anders über die Pedelec. Für mich war das auch immer ein „no-go“. Entweder Radfahren oder gar nicht.
    Ich kaufte mir vor 6 Jahren ein richtig tolles Fahrrad in der Hoffung auf viele Touren. Dann kam meine Sonnen-, Wärme- und Lichtunverträglichkeit – dann die Chemikalienunverträglichkeit …. Das Fahrrad steht ungenutzt in der Garage. Nun stellt sich die Frage, ob wir es verkaufen oder auf bessere Zeiten warten.
    Liebe Grüße und allzeit gute Fahrt :o)
    Renate

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  4. Klaus

    Eva, danke für die tolle Tourbeschreibung. Eine herrliche Gegend und auf der Seeve ist nur das Paddeln noch schöner. Nach Bergedorf und Geesthacht sind wir vor zwei Jahren geradelt! Auch eine schöne Tour!

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  5. Marlene

    Bedanke mich auch fürs Mitnehmen 🙂
    Mein Pedelec möchte es echt nicht mehr missen, gemeinsame Radtouren machen einfach mehr Spaß. 😉

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  6. Noemi

    Das hört sich nach wunderbaren Ausflügen an!
    Man kommt halt doch ein wenig weiter rum als beim Joggen.
    Wünsch‘ dir noch ganz viel Spass mit deinem Fahrrad.

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  7. Wilde Henne

    Was für ein schöner Ausflug – und mit dem Pedelec sind so auch längere Strecken entspannt machbar.
    Bei mir im hügeligen Emmental (Hügel hier sind das, was ihr Berge nennt ;-)) würde sich so ein Gefährt auch anbieten. Ich bin schon seit längerem am überlegen… aber bis dahin fahre ich noch mit Muskelkraft und 5-Gang-Nabenschaltung. Und wenn es steil bergauf geht, schiebe ich…

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  8. Sabine

    Ja, wegen des Berufs haben wir auch keinen Hund, aber da Schwiegermutter einen hat, kommen wir gelegentlich in den Genuss, haben wir den Hund, wenn sie hundefreie Zeit möchte. Das klappt ganz gut. Nur für Fahrradtouren oder längere Wanderungen ist das kleine braune Hundevieh inzwischen zu alt, und ein Korb oder Wägelchen ist nichts für sie.

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  9. Barbara

    Ich dachte auch erst an einen Hund, bin aber ganz begeistert zu lesen, was Du Dir da gegönnt hast. Toll! Noémi hat recht, man sieht mehr als beim Joggen und ich finde es optimal, dass Du diese Reserve und Unterstützung hast, je nach Lust und Laune und Gesundheitszustand.
    Und zum Thema Nacken und Rücken. Gute Besserung! Bewegung ist jedenfalls immer gut, man muss nur eine Sportart finden, die gut geht und gefällt.

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  10. Deichrunner's Küche

    ich komme ja gebürtig aus dem Schwarzwald und muss daher innerlich auch über meine jetzigen ‚Hügel‘ grinsen.
    Wir haben die Pedelecs vor allem für den gehandicapten Mitgenießer angeschafft, davor habe ich auch geschoben, wenn es zu steil wurde….aber bin auch keinen Teil dessen gefahren, was ich jetzt fahre.

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