BLOG EVENT-XXXVII: SENTIMENTAL JOURNEY – ESSEN, ANGESTAUBT

Blog-Event XXXVII - Sentimental journey - Essen angestaubt

Es ist ihr Wunsch, sie will es so haben und nun muss sie – aber auch die anderen Leser meines Blogs –  da durch:  auch ich werde mich nun erinnern, welche sentimentalen Momente ich mit Essen in Verbindung bringe.

An eines erinnere ich mich noch sehr genau: wir waren vier Kinder zu Hause und meine Mutter musste sehr gut wirtschaften, aber wenn eines von uns krank war, dann nahm sie einen Weg von zweimal 30 Minuten (zu Fuß und mit dem Bus) auf sich und kaufte das ein, was es für ein krankes Kind immer gab: ein frisches Brötchen vom Bäcker und Lachsschinken; diesen Lachsschinken schabte sie dann mit einem Messer ganz fein klein und belegte damit das Brötchen; das brachte sie einem dann ans Bett und zwar an jedem Tag, an dem man das Bett hüten musste – das Schönste daran war aber vor allem, dass die Geschwister das dann nicht bekamen, sondern dass man sich dann als etwas ganz Besonderes fühlte.

Da ist aber noch mehr, was ich gerne erinnere: direkt neben der Schule gab es eine kleine Bäckerei, die unzählige Gläser mit Süßigkeiten hatte und ich weiß noch, dass es jeden Tag ein Highlight war, wenn ich mir für 5 oder 10 Pfennige Brausestäbchen kaufen konnte; es war mir dann zwar regelmäßig vor dem Mittagessen leicht schlecht davon und die Mutter war verärgert, aber es musste einfach sein.

Unangenehme Erinnerungen habe ich an Fleisch und vor allem an fettes Fleisch; in den 60er Jahren vertrat man wohl noch die Ansicht, dass Kinder nicht gedeihen, wenn sie kein Fleisch essen und so kann ich mich an viele Tränen erinnern, weil ich sehr klar ‚zu meinem Besten‘ überredet wurde und es mich schlichtweg nur schüttelte und ekelte; irgendwann hatte ich dann die Taktik raus, ganze Brocken Fleisch runterzuschlucken, ohne ein einziges Mal gekaut zu haben; auch heute bin ich noch kein großer Fleischliebhaber….

Nun kommt noch eine etwas peinliche Essenserinnerung – ich hatte zweitweise einen recht abartigen Geschmack: ich aß zu der Zeit für mein Leben gerne Brot (Brötchen gab es sehr selten), das ich mit Butter bestrich, dann mit Marmelade oder Nutella (möglichst dick), darauf kam Käse jeglicher Art und als krönender Abschluß dieses Kakaopulver – und auch damit wurde nicht gespart……sicher ist Jedem klar, dass ich zu dieser Zeit nicht gerade zu den schlanksten Teenagern gehörte, denn je größer der Herzschmerz war, umso dicker und reichhaltiger war dieser Marmelade-Käse-Nesquik-Belag!

Für dieses Event habe ich mir zwei meiner vielen Erinnerungen wieder einmal zubereitet und insofern ein wenig aufgepeppt, dass ich mir heute den Luxus von selbstgebackenen Brötchen ‚leisten‘ kann.
Ich habe mich darauf gefreut, beides mal wieder zu kosten, musste dabei aber erkennen, dass es nicht mehr die Begeisterung von damals in mir ausgelöst hat – ganz und gar nicht!

Trotzdem danke an Schnuppschnüss  – sie hat mich mit diesem Event dazu gebracht wieder einmal in den Erinnerungen zu graben.

Event

(Das Bot war schon immer vollständig und vor allem reichhaltiger belegt, ich wollte hier nur die einzelnen Schichten demonstrieren)

Brtchen_mit_dinkelvk_haferflocken_a

Jetzt eben mit dem Luxus von selbstgebackenen Brötchen aus u.a. Dinkel-Vollkorn, Haferflocken, Dunst und Weizenmehl…….

12 Gedanken zu „BLOG EVENT-XXXVII: SENTIMENTAL JOURNEY – ESSEN, ANGESTAUBT

  1. Hedonistin

    Wie sollte es die Begeisterung von einst auslösen, wenn die Rahmenbedingungen andere sind? Du bist hoffentlich nicht krank, niemand hat dir das Schinkenbrötchen angerichtet und ans Bett gebracht; akuten Liebeskummer hast du hoffentlich auch nicht, und selbst gebackene Luxusbrötchen verfälschen den Geschmack von damals sowieso ganz ungemein. Und wer weiß, welche Veränderungen die Kakaopulverrezeptur seit damals erfahren hat – die chemische Industrie schläft ja nicht. 🙂

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  2. Petra

    Das Thema bringt ja wirklich erstaunliche Dinge ans Tageslicht 😉 Brausestäbchen habe ich übrigens auch geliebt – bei dem Nesquick-Belag muss ich allerdings passen. Dafür habe ich Nesquick im Winter mit frisch gefallenem Schnee vermischt und als Eis gegessen oder Nesquick mit Zucker (!) vermischt aus kleinen Förmchen beim Karl-May-Lesen gelöffelt.

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  3. Eva

    @ Hedonistin: du hast recht= die Rahmenbedingungen sind komplett anders 🙂
    @ Petra: du bist also auch nicht an Nesquik und Brausestäbchen vorbeigekommen….
    @ Zorra: ich will ehrlich sein: ich habe Käse und Kakaopulver vor dem Essen vom Brötchen entfernt….ich kam da nicht mehr gegen an 🙂

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  4. Petra

    Das Lachsschinkenbrötchen nehme ich gerne, der andere Belag reizt mich gar nicht. Naja mein kleiner Bruder hat immer Marmeladebrot mit Bismarkhering gegessen *brrrr*
    Ich muß auch mal in Erinnerungen kramen, was da so zum Vorschein kommt… Viele Grüße

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  5. Barbara

    Schön! Wirklich interessant zu lesen, in manchem findet sich wohl fast jede wieder… 😉
    Bei uns im Heimatort gab’s eine Fabrik für Brausestäbchen, inzwischen kann man die mit dem Erwachsenen-Geldbeutel im Kilopack im Fabrikverkauf kaufen – und sich damit so richtig den Magen versauen… 😉

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  6. Jutta

    Ganz ganz tolle Erinnerungen, die auch ich zum Teil bestätigen kann: Leberwurst mit Apfelkraut, Käse mit Rübenkraut und die geliebten Brötchen, die es aber bei uns leider auch nur sehr selten gab (ich habe auch noch drei jüngere Schwestern). Dafür „Oberländer“ von Aldi – jeden und jeden und jeden Tag. Vielleicht backe ich deshalb so gerne Brot? Na, ich will hier mal nicht vorgreifen, jedenfalls danke ich herzlich für diesen schönen, ausführlichen Beitrag und werde ihn jetzt sofort noch einmal lesen. Das war so herzerwärmend, wie Du von Deiner Mutter erzählt hast… Übrigens kam bei uns, wie bei Petra, zum Nesquick noch Zucker und – Haferflocken. Das wurde dann trocken gemümmelt – unglaublich!

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  7. Christel

    Also Haferflocken mit Nesquick und Zucker kenn ich auch, aber solche belegten süßen Brote (Negerkuss mit Brötchen war da die Ausnahme) hab ich mir nie gemacht. Ich bin auch heute noch der eher herzhafte Typ 🙂

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